Kfz Versicherungsrecht

Eine Autoversicherung kann auch mitten im Jahr gewechselt werden.


Unterjährig können Millionen Autofahrer in Deutschland ihre Versicherung wechseln, denn das kann sich lohnen. Einer neuesten Auswertung zufolge sind die Preisunterschiede am Markt gewaltig.

Ihren Autoversicherer haben Ende des Jahres 1,7 Millionen clevere Verbraucher gewechselt und dadurch durchschnittlich pro Jahr 120 Euro gespart, manchmal noch darüber. „Yougov“, das Kölner Beratungszentrum hat festgestellt, dass sich damit zum Jahresende der Wechselboom deutlich verstärkt hat. Weniger bekannt dürfte sein, dass die Autofahrer auch mitten im Jahr einen für sie teuren Anbieter wechseln können. Ein derartiger unterjähriger Wechsel des Kfz-Versicherers lohnt sich fast immer. Am Markt gibt es gewaltige Preisunterschiede. Das hat aus Höxter eine Auswertung der Unternehmensberatung Nafi gezeigt.

Soll das alte Auto gegen einen Gebrauchten oder einen Neuwagen ausgewechselt werden, dürfen alle Autofahrer sich einen anderen Kfz-Versicherer auswählen. Das Kraftfahrtbundesamt hat registriert, dass es pro Jahr weit mehr als sechs Millionen Besitzumschreibungen von Personenkraftwagen gibt. Hier hat der Autobesitzer in jedem einzelnen Fall das Recht und die Möglichkeit, seinen Versicherer zu wechseln. Auch ca. 9,5 Millionen Kasko- und Kfz-Haftpflicht-schäden kommen noch hinzu. Hier öffnet sich ebenfalls immer eine Tür, um einem teuren Kfz-Versicherer zu kündigen.

„In der Autoversicherung sind Schadenfallkündigungen immer noch selten“. Das stellt der stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Versicherungsrecht im Deutschen Anwalt Verein (DAV), Arno Schubach, fest. Er führt mehrere Gründe dafür an: „Erstens ist vielen Kunden nicht bekannt, dass sie auch dann kündigen dürfen, wenn die Schäden vollständig vom Versicherer beglichen worden sind. Zweitens  erhielt früher bei einer Schadenfallkündigung der Versicherer die gesamte Jahresprämie, aber das ist inzwischen ungültig. Die Assekuranzen dürfen seit 2008 nur noch anteilig abrechnen, entsprechend der Dauer des tatsächlichen Versicherungsschutzes.“

Bei der Zulassungsstelle kann man bei einem Autowechsel einfach die Bestätigung der neuen Versicherung  vorlegen. Automatisch gilt das als Kündigung. Hat jemand einen Schadenfall erlitten und will aussteigen, muss er spätestens innerhalb eines Monats, nachdem vom Versicherer die Leistung beglichen oder abgelehnt worden ist, aktiv werden.

Bei kleineren Delikten, wie zum Beispiel einer gestohlenen Antenne, ist es nicht lohnenswert, den Schaden anzuzeigen. Der Aufwand liegt garantiert unterhalb der Selbstbeteiligung bzw. der Rückstufung. Andererseits kann eine Schadensmeldung als Hilfsmittel für den Ausstieg aus einer ungeliebten Versicherung genutzt werden. Schubach erläutert dazu, „dass das natürlich nur dann möglich ist, wenn der entstandene Schaden auch wirklich versichert war, der Versicherer zu Unrecht die Leistung kürzt oder gar nicht zahlt.“

Eine Kündigung muss im Laufe der Monatsfrist in schriftlicher Form per E-Mail, Brief oder Fax beim Versicherer eingegangen sein. Übrigens machen vor allem die Kfz-Versicherer bei einem Schadensfall selbst vom Kündigungsrecht Gebrauch. Beispielsweise wenn sie vermuten, ein Versicherungsbetrug liege vor, dieses aber nicht beweisen können.

Auch können Versicherer dann kündigen, wenn sie befürchten, dass zukünftig vom Autofahrer weitere Schäden angerichtet werden, sagt Schubach. Einer derartigen Kündigung sollte der Versicherte zuvorkommen. Denn beim nächsten Versicherer können andernfalls beim Kaskoschutz Probleme aufkommen. Hingegen muss die Kfz-Haftpflicht immer angeboten werden, weil sie Pflicht ist.

Die Yougov-Studie vom letzten Jahr hat ergeben, dass 8,2 Millionen eigentlich wechselwillige Autobesitzer ihrer alten Kfz-Versicherung treu geblieben sind. Aber nicht immer freiwillig, auch weil der Termin zum Wechseln am Jahresende verpasst wurde. Dieser Termin ist auch nicht für alle Verträge gültig, wenn ein anderes Datum im Vertrag steht, ein Umsteigen ist dann zum Jahresende nicht möglich. Anbieter wie Ergo, Allianz, Admiral Direkt, Generali oder Direct Line haben zusätzlich Kündigungstermine eingeführt, die auch mitten im Jahr nutzbar sind. Viele Verbraucher dürften das gar nicht bemerkt haben.


Veröffentlicht am: 23.06.2012 - 00:53 Uhr
Kategorie: Kfz Versicherungsrecht

Kommentare

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Dennis Dennis aus Hamburg

Freitag, 27-07-12 14:46

Das über 8 Millionen Leute die Autoversicherung nicht wechseln, obwohl sie es eigentlich gerne tun wollen, ist echt interessant. Heißt also mal wieder, dass es im Bereich der Kfz-Versicherungen immer noch ein unfassbar hohes Wechsel-Potenzial gibt.
Andererseits weiß man nicht so genau, wie viele Leute der ca. 8 Millionen ihrem Autoversicherer treu sind, weil sie doch relativ zufrieden sind und wie viele Leute nun tatsächlich kaum Zeit für einen Wechsel aufbringen können oder zu bequem hierfür sind.
Um dieses herauszufinden, müsste man ja fast schon eine wissenschaftliche Studie in Auftrag geben.

 

Luisito Luisito

Freitag, 10-08-12 18:50

Zurzeit ist die HDI Versicherung die günstigste mit der besten Leistung. Ich habe mich für viele Versicherer informiert und verglichen, da hat mir die HDI am besten abgeschnitten. Ich zahle für meinen Ford-Galaxy mit Vollkasko + Teilkasko OHNE Selbstbeteiligung monatlich 68,65 Euro.

 
 

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