Verkehrsrecht

Wie schnell Autos mit Wohnanhänger in Europa sein dürfen


In Deutschland sind insgesamt 570.000 Wohnanhänger gemeldet. Für über 80% von ihnen gilt auf deutschen Autobahnen mittlerweile Tempo 100. An der nächsten Landesgrenze ist allerdings damit Schluss. Ab dort sind die Regeln für Wohnwagen-Gespanne unterschiedlich. TÜV SÜD liefert eine EU-Übersicht, außerdem Tipps für die Reise mit Wohnwagen.

Verfügt das Auto über ABS, Schlingerdämpfung und Stabilisierungseinrichtung, dann ist es in Deutschland seit einigen Jahren gestattet, mit dem Anhänger Tempo 100 zu fahren. Diese technische Ausrüstung spielt an den meisten Landesgrenzen beim Tempolimit jedoch keine Rolle. So gilt in der Schweiz sowie Liechtenstein: Wohnwagen haben sich in den Schwerlastverkehr einzureihen bei maximal 80 km/h. In Österreich sind die Bestimmungen die gleichen wie in Deutschland, also Tempo 100 km/h bei den erforderlichen technischen Voraussetzungen. Philip Puls von TÜV SÜD bemerkt dazu „man sollte sich unbedingt vorher über die Bestimmungen der Tempolimits in den Transit- und Reiseländern informieren. Mit einem Wohnwagen-Gespann sollte man dennoch nie schneller als 100 km/h unterwegs sein – auch wenn es zugelassen sei. Bauartbedingt sind die meisten Wohnwagen ohnehin nur bis 100 km/h zugelassen.“

In den meisten Ländern Europas ist trotzdem Tempo 80 km/h Vorschrift. Das gilt zum Beispiel für Polen, Tschechien, Slowenien, Italien, Kroatien, Schweden und Dänemark. In Frankreich hingegen sind Tempo 130 km/h erlaubt. In Belgien lauten die Bestimmungen für Wohnanhänger 120 km/h, hingegen in den Niederlanden nur 90 km/h.

Alles andere als trivial ist das Fahren mit schwerem Gespann. Ausbrechen oder Schlingern sind die größten Risiken, aber moderne Fahrsicherheitsassistenten wie ESP können sie abmildern. Ist ein Gespann derartig ausgerüstet, darf es zwischen Klagenfurt und Kiel grenzüberschreitend 100 km/h fahren. Im Fahrzeugschein muss ein entsprechender Eintrag vorhanden sein, außerdem ein Aufkleber mit 100 km/h, gut sichtbar angebracht, zur Signalisierung der Berechtigung.

Das Ziehen von Lasten ist selbst für PKW-Fahrer mit Erfahrung eine Herausforderung. Eine dringende Empfehlung lautet daher: Unbedingt die Tempolimits einhalten und diszipliniert fahren! Bei Seitenwind das Tempo den Verhältnissen anpassen. Die wenigsten Autofahrer sind öfter als zweimal pro Jahr unterwegs und haben wenig Erfahrung. Deshalb sollte der beladene Caravan zur Probe ein paar Runden gefahren werden, ehe die eigentliche Tour beginnt. Auch eine kurze Fahrt über die Autobahn ist von Vorteil, um wieder das Gefühl für das Gespann zu bekommen, wird von Puls empfohlen.

Das richtige Packen ist eines der wichtigsten Punkte für die sichere Ferienfuhre. So sollten die schweren Teile immer in die Nähe der Achse platziert und ordentlich gesichert werden, damit sie am Ort bleiben. Die zulässige Stützlast von Fahrzeug und Anhänger sollte möglichst ausgenutzt werden.

Beachten sollte man außerdem: Die Hinterachse des PKW muss die zusätzliche Stützlast des Wohnanhängers verkraften, deshalb nicht zusätzlich die Hinterachse des Autos beladen. Besser ist es, die schweren Gegenstände vor die Hinterachse zu stellen, praktisch dicht hinter die Rückbank. Auch ist es in diesem Fall günstiger, im  Kofferraum nur leichte Gegenstände unterzubringen.

Sollte der Anhänger einmal ins Schlingern geraten gilt: Erkennen, Ruhe bewahren,  reagieren. Dem Schlingern geht ein Prozess voraus, den man durchaus rechtzeitig bemerken kann. So sollte das Alarmsignal beim Fahrer angehen, wenn der Hänger ins leichte Schlingern gerät, obgleich es keine Lenkbewegungen gibt. Wird das Tempo reduziert, beruhigt sich das Gespann wieder. Wenn sich allerdings die Schlingerimpulse vom Hänger auf den PKW übertragen, wird es kritischer. Folgendes gilt in dieser Situation: Das Lenkrad gerade halten, dann kurz und kräftig die Bremse betätigen.

Beachtet werden sollte auch, dass ein Gespann einen deutlich längeren Bremsweg hat und über eine geringere Beschleunigung verfügt. Das bedeutet als erstes, dass der Abstand zum nächsten Fahrzeug deutlich größer sein muss, nach vorn und ebenso zur Seite. Ist der Abstand zu gering, kann ein Sog entstehen, der den Hänger zum Schlingen bringt. Seitenwind ist dafür immer der Auslöser. In diesem Fall heißt es: Runter vom Gas!

Auch für das Fahren im Gebirge gibt es Tipps: Man sollte früh niedrige Gänge einschalten, so wird der Motor geschützt vor eventueller Überhitzung. Die Bremskraft des Motors sollte man talwärts in niedrigen Gängen nutzen. So bleiben die Bremsen griffig und kühl. Bei großen Wohnwagen und Anhängern unbedingt darauf achten, dass die Sicht nach hinten nicht verbaut ist.


Von: Stefan Lübker / www.autoversicherung-vergleichen-online.de
Veröffentlicht am: 15.07.2012 - 09:39 Uhr
Kategorie: Verkehrsrecht

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