Verkehrsrecht

Wenn ein Kraftfahrer in eine Kontrolle gerät


Der Rat einer Anwältin: Bei einer Kontrolle haben Autofahrer das Recht nichts zu sagen und sollten keinesfalls der Polizei gegenüber zu plaudern anfangen. Vor allem: Ruhe bewahren.

Hamburg.  Ein Autofahrer wird von der Polizei gestoppt und gefragt: „Können Sie uns sagen, weshalb wir sie angehalten haben?“ Der Angehaltene antwortet darauf besser nicht, auch wenn es ihm unangenehm vorkommt. Es ist sein gutes Recht. Jeder sollte bei einer Verkehrskontrolle von diesem Recht Gebrauch machen, sagt Daniela Mielchen, Verkehrsanwältin in Hamburg. Denn wenn bei einer Kontrolle unüberlegt geredet wird, kann es Betroffene Kopf und Kragen kosten.

Die Anwältin Mielchen gibt weiter den Rat, selbst bei einem unschuldigen Gefühl sich in kein Gespräch mit der Polizei einzulassen und sich auf Vorwürfe auch nicht zu äußern. Hierbei sei das Risiko einfach zu groß, sich mit Rechtfertigungen und  lapidaren Ausreden selbst zu belasten. Denn bei einem realen Verkehrsverstoß wird durch redselige Autofahrer oft alles schlimmer gemacht.

Der Verkehrsrechtsanwalt Uwe Lenhart aus Frankfurt/Main erklärt dazu, dass die Polizei zuerst davon ausgeht, dass der festgestellte Verkehrsverstoß wegen Fahrlässigkeit begangen worden ist und nicht absichtlich. Wenn jetzt ein Beschuldigter den Fehler begeht, der Polizei gegenüber spontan die Sachlage zu erklären, könne das schnell für ihn zum Nachteil sein. Wenn er beispielsweise der Polizei gegenüber äußert: „ Es tut mir leid, dass ich zu schnell gefahren bin“ ist das ein aussichtsloser Versuch, die Beamten milder zu stimmen. Dieses Schuldbekenntnis macht es später fast unmöglich, einen Bußgeldbescheid anzufechten. Das Bußgeld kann sich sogar verdoppeln, wenn ein Betroffener den Vorsatz für eine Tat signalisiert.

Mielchen sagt weiter, dass Erklärungen der Sünder wie „Ich darf einen Geschäftstermin nicht verpassen, weil mein Job davon abhängt“. Selbst wenn die Aussage der Wahrheit entspricht, rechtfertigt sie keine Verkehrsdelikte und hilft dem Autofahrer in keiner Weise. Wenn sich jemand zu einem Sachverhalt äußern möchte, dann in einem späteren Verfahren, am besten mit einem Anwalt. Die Chancen, um ein Fahrverbot oder Bußgeld herumzukommen, stehen dann besser.

Auch für Beifahrer gilt bei einer Verkehrskontrolle: Schweigen ist Gold. Lenhart warnt, dass der Beifahrer in der Aufregung seinen Fahrer anschwärzen könnte mit zum Beispiel dieser Bemerkung: „ Ich sage dir immer wieder, dass du nicht so schnell fahren sollst!“ Na, wenn da die Polizei nicht hellhörig wird.

Das gleiche gilt bei einem Unfall. Es kann sogar der Führerschein eingezogen werden bei voreiligen Schuldbekenntnissen  und Aufzählungen von Einzelheiten vom Unfallhergang. Zum Beispiel “ weil es mir plötzlich schlecht wurde, hat es wohl dann gekracht.“ Gibt jemand das am Unfallort zu Protokoll, folgt mit Sicherheit eine Fahrtauglichkeitsuntersuchung, weil gesundheitliche Probleme weitere Folgen haben könnten. Hegt der Arzt nach der Untersuchung Bedenken, wird der Führerschein eingezogen.

Mielchen folgert daraus: „Wenn nichts gesagt wird, kann auch nichts falsches gesagt worden sein.“ Der Beschuldigte muss gegenüber der Polizei lediglich der Pflicht nachkommen, Angaben zur eigenen Person zu leisten.



Von: Stefan Lübker / autoversicherung-vergleichen-online.de
Veröffentlicht am: 09.04.2013 - 21:22 Uhr
Kategorie: Verkehrsrecht

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