Kfz Versicherungsrecht

Rückstufung in der Kfz-Versicherung vermeiden


Weil in der Kfz-Versicherung die Schadenfreiheitsklasse jährlich hochgestuft wird, lohnt sich unfallfreies Fahren. Für Versicherte kann ein plötzlicher Unfall aber teuer werden. Der Unfallverursacher wird von der Versicherung zurückgestuft und hat mit höheren Ausgaben zu rechnen. Es gibt allerdings verschiedene Wege, eine Rückstufung zu vermeiden.

Über sinkende Beiträge zur Kfz-Haftpflichtversicherung freuen sich regelmäßig viele Autofahrer. Denn ihre Police wird durch eine hohe Schadenfreiheitsklasse umso günstiger, je länger sie unfallfrei durch den Verkehr kommen. In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Finanztest“ (03\2018) zeigt die Stiftung Warentest jedoch, dass sich das sehr schnell ändern kann.

Regelmäßige Autofahrer sollten künftig über ihre Möglichkeiten nachdenken und überlegen, ob und wann sie nach einem Unfall ihre Versicherung zur Schadensregulierung einschalten. Sobald das jedoch erfolgt ist, stuft die Versicherung häufig ihren Kunden in der SF-Klasse statt um eine gleich um mehrere Stufen herunter. Das hat natürlich einen enormen jährlichen Kostenanstieg zur Folge. Doch wie lässt sich diese Rückstufung der Kfz-Versicherung umgehen?

Alle Autofahrer haben die Pflicht zur Kfz-Haftpflichtversicherung

Jeder Autofahrer ist verpflichtet, eine Kfz-Haftpflichtversicherung abzuschließen. Diese deckt die nach einem Unfall entstehenden potenziellen Kosten ab. Die Höhe des Versicherungsbeitrages ist von mehreren Faktoren abhängig, zum Beispiel vom Wohnort, vom Fahrzeugtyp, aber auch Beruf, Alter und jährliche Fahrleistung bestimmen dessen Höhe. Für jedes unfallfreie Jahr profitiert er von einem steigenden Schadenfreiheitsrabatt, da er obendrein in der Schadenfreiheitsklasse hochgestuft wird.

Achtung: Höhere Jahresbeiträge durch Rückstufung

Die Versicherungsbeiträge zur Kfz-Haftpflicht variieren stark. Um den optimalen Tarif zu finden, sollte der Fahrer die Anzahl der Stufen ermitteln, die er nach einem Unfall herabgestuft wird. Sollten die Beitragskosten nach einer Rückstufung deutlich höher ausfallen, wäre ein Wechsel sinnvoll. Aktuell hat die Stiftung Warentest diesbezüglich 163 Tarife von 64 Kfz-Versicherungen überprüft mit dem Ergebnis, dass die meisten Versicherer eine Rückstufung der SF-Klasse nutzen. Damit wird der lang angesparte Rabatt der Kunden erheblich gekürzt.

Tipp:

Der Rückstufungsrechner von Stiftung Warentest zeigt, ab welchem Betrag man sinnvollerweise den Schaden aus der eigenen Tasche bezahlen sollte.

Je nach Tarif kann ein Kunde mit 15 unfallfreien Jahren von der Versicherung um bis zu neun Klassen abgestuft werden, meint Stiftung Warentest. Bis zu seinem vorherigen Schadenfreiheitsrabatt dauert es damit ganze neun Jahre. Die durch die Rückstufung entstehenden Mehrausgaben summieren sich merklich, bevor die günstigste SF-Klasse 35 wieder erreicht ist. Gegenüber dem Beitrag vor dem Unfall wäre dies das Vier- bis Fünffache.

Drei Wege zur Vermeidung der Rückstufung bei der Kfz-Versicherung

Der Fahrer verfällt meist in Hektik und Unsicherheit, wenn nach jahrelanger problemloser Fahrt plötzlich ein Unfall geschehen sollte. Der Betroffene verständigt umgehend seine Versicherung, weil er sofortige Absicherung wünscht. Diese reagiert prompt mit der Rückstufung in der SF-Klasse. Diese greift ab dem darauffolgenden Jahr. Es bieten sich aber dem Versicherten im Voraus drei Möglichkeiten an, wie er die Kosten senken oder den Prozess umgehen kann.

Durch Schadenrückkauf Mehrkosten einsparen

Der Schadenrückkauf ist die erste Möglichkeit. Sollte der Fahrer die Schadensregulierung schon beantragt haben, wäre dies dennoch möglich. Bei kleineren Unfällen ist das oftmals die vorteilhaftere Variante. Dabei kommt der Autofahrer aus eigener Tasche für den Schaden auf. Er spart somit die Mehrkosten, die nach der Senkung des Schadenfreiheitsrabatts entstehen würden. Der Kunde wartet bestenfalls ab, bis eine Endsumme feststeht und lässt die Versicherung in Vorkasse gehen. Einige Versicherungen bieten eine Frist von sechs Monaten für die Rückzahlung der Schadensumme.

Absicherung der SF-Klasse mittels Rabattschutz

Die zweite Möglichkeit ist der Abschluss eines Rabattschutzes. Mit ihm lässt sich die Schadenfreiheitsklasse absichern. Die SF-Klasse wird nicht herabgestuft, der Beitrag bleibt unverändert. Dafür zahlt der Fahrer zum üblichen Tarif zusätzlich bis zu 25 Prozent des Jahresbeitrages. Sollte der Fahrer zu einem anderen Versicherungsanbieter wechseln, erlischt jedoch der Rabattschutz. Ein zurückliegender Unfall wird bei der Berechnung des Beitrages aber berücksichtigt.

Der Rabattretter greift bei älteren Policen

Inhaber von älteren Verträgen können eine dritte Möglichkeit nutzen. Allerdings nur in den höchsten SF-Klassen zahlt sich ein sogenannter Rabattretter aus. Abgestuft wird der Fahrer zwar, aber der Schadenfreiheitsrabatt wird nicht abgesenkt. Somit zahlt er damit weiterhin seinen gewohnten Beitrag. Der Rabattretter kann jedoch nur einmalig angewendet werden. Man sollte daher vorher abwägen, ob sich dieser Einsatz rentiert oder ob man den Schaden lieber doch selbst zahlen sollte.


Von: Stefan Lübker / autoversicherung-vergleichen-online
Veröffentlicht am: 26.02.2018 - 19:50 Uhr
Kategorie: Kfz Versicherungsrecht

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