Verkehrsrecht

Mythos Mittelspur auf der Autobahn


Da auf Autobahnen das Rechtsfahrgebot gilt, ärgert es viele Autofahrer, wenn von anderen Fahrern lange der Mittelstreifen befahren wird. Mit Recht? Mit dem Auto sind Flip-Flops nicht gestattet, dagegen gilt ein Fahrverbot für Fahrradfahrer nicht. Derartige Geschichten sind in einem Wissenstest als Mythen enttarnt worden. Viele Leser sind von dem vermeintlichen Gebot des Rechtsfahrens überrascht worden, ihre Verwunderung kam in ihren E-Mails zum Ausdruck.

Es handelt sich um den Mythos, dass auf einer dreispurigen deutschen Autobahn die Autofahrer nicht über eine längere Zeit auf der mittleren Spur fahren sollen. Es heißt in der Straßenverkehrsordnung im zweiten Paragrafen: „ Möglichst weit rechts fahren, wenn das Fahrzeug überholt wird, nicht nur bei Gegenverkehr, in Kurven, an Kuppen oder bei einer Unübersichtlichkeit.“ Gilt also ein Verbot für langes Fahren auf dem Mittelstreifen? Nicht unbedingt.

Es gibt eine Sonderregelung vom Gesetzgeber für solche Straßen, die fernab geschlossener Ortschaften verlaufen und über mindestens drei, oder mehr Fahrspuren in einer Richtung haben. In der StVO § 7, Absatz 3c heißt es in einem ausdrücklichen Hinweis, „von dem Gebot abweichend, sich möglichst weit rechts zu halten.“

„Hin und wieder“was bedeutet das?

Laut Straßenverkehrsordnung ist es konkret erlaubt, dass der mittlere Fahrstreifen von Kraftfahrzeugen unter der Voraussetzung durchgängig befahren werden darf, dass „hin und wieder“ rechts davon ein anderes Fahrzeug fährt. Es gibt keine Vorschrift, die besagt, jede Lücke, die sich rechts ergibt, zu nutzen. Hier ist es ganz entscheidend, dass kein weiterer Verkehrsteilnehmer behindert wird, wenn man die Mittelspur nicht wechselt.

Offensichtlich ist es vom Gesetzgeber nicht erlaubt, nur auf der mittleren Spur zu fahren, wenn keine weiteren Fahrzeuge auf der Autobahn sind. Im Paragraf ist allerdings unklar, was mit „hin und wieder“ gemeint ist. Ein Fahren in Schlangenlinien soll vermieden werden, so die Fachjuristen des ADAC. Wenn ein Fahrer absehen kann, dass er das nächste Fahrzeug auf der rechten Spur in Kürze überholen könne, dürfe er weiter die mittlere Spur benutzen.

„In Kürze“, was heißt das?

Hier gibt Jost Kärger, ADAC-Anwalt, den Rat: Könnte nach einem Überholvorgang ein Fahrer erheblich länger als 20 Sekunden in gleichbleibender Geschwindigkeit rechts fahren, so muss er seine Spur nach rechts wechseln. In einem vom Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf 1989 erstellten Urteil (Az. 2Ss (OWi) 318/89 – (OWi) 93/89 II) ist dieser Fall etwas konkretisiert worden. Auch das ist noch undeutlich.

Der Grund ist der, dass die Richter lediglich die Regel verwarfen, nach der die Kraftfahrer zum Wechseln auf die rechte Spur verpflichtet sind, sollten sie mit gleichem Tempo dort 20 Sekunden weiterfahren können. Die Düsseldorfer Richter stellten fest, dass diese einst vom OLG Celle aufgestellte Pflicht nur für solche Straßen gilt, die über zwei Spuren in einer Fahrtrichtung verfügen. Verfügt dagegen die Straße über drei Spuren, „sei die Dauer eines möglichen Weiterfahrens bei gleichbleibender Geschwindigkeit (…) weit größer zu bewerten.“

Bis heute spukt die Regel über 20 Sekunden noch bei einem großen Teil der Autofahrer im Kopf herum, besonders im Hinblick auf die Autobahn mit drei Spuren. Aber die Behauptung, dass die mittlere Spur ausschließlich dem Überholvorgang dient, ist ein klarer Mythos und vom Gesetz her nicht gedeckt. Fakt ist aber auch, sollte die Autobahn so leer sein, dass erst am Horizont ein Fahrzeug zum Überholen sichtbar wird, dann gilt das Rechtsfahrgebot.


Von: Stefan Lübker / autoversicherung-vergleichen-online.de
Veröffentlicht am: 31.10.2012 - 09:21 Uhr
Kategorie: Verkehrsrecht

< Beim Radwechsel Schrauben nachziehen nicht vergessen

Kommentare

Keine Einträge

Keine Einträge im Gästebuch gefunden!

Kommentare eintragen

Ins Gästebuch eintragen
CAPTCHA Bild zum Spamschutz